Ein eigener Server? Hier erfahren Sie die Vor- und Nachteile

Ein eigener Server – oder ein Cloud Server? Das ist hier die Frage. Wir haben einen praktischen Vergleich für Sie zusammengestellt und möchten Ihnen helfen, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn es um Ihren persönlichen Server oder den Server Ihres Unternehmens geht.

Was ist eigentlich ein Server?

Ein Server ist ein Computer oder System, das Ressourcen, Daten, Dienste oder Programme für andere Computer, sogenannte Clients, über ein Netzwerk bereitstellt. Er kann Daten an Systeme in einem lokalen Netzwerk (LAN) oder in einem Weitverkehrsnetz (WAN) über das Internet bereitstellen.

Es gibt viele Servertypen, darunter Webserver, Mailserver und Dateiserver. Auf jedem Typ läuft Software, die für den Zweck des Servers spezifisch ist. Auf einem Webserver kann z. B. Apache HTTP Server oder Microsoft IIS laufen, die beide den Zugriff auf Websites über das Internet ermöglichen. Auf einem Mailserver kann ein Programm wie Freenet oder GMX laufen, das SMTP-Dienste zum Senden und Empfangen von E-Mails bereitstellt. Ein Dateiserver kann Samba oder die im Betriebssystem integrierten Dateifreigabedienste verwenden, um Dateien über ein Netzwerk freizugeben.

Wussten Sie, dass ein normaler Desktop-Computer durch Hinzufügen der entsprechenden Software in einen Server verwandelt werden kann? Zum Beispiel kann ein Computer, der an ein Heimnetzwerk angeschlossen ist, als Dateiserver, Druckserver oder beides bezeichnet werden.

Kann ich selbst einen Server erstellen?

Im Prinzip, ja! Stellen Sie sich vor, Sie kaufen einen PC, schließen ihn an Ihr Heimnetzwerk an, installieren eine Webserver-Software und konfigurieren den DNS entsprechend. Dieses Gerät ist in der Lage, Ihre Website zu betreiben und Anfragen aus der ganzen Welt zu bedienen. Aber könnte Ihr “Amateur”-Server mit Systemabstürzen, starkem Datenverkehr, unerwarteten Stromausfällen, Diebstahl oder lückenhafter Sicherheit umgehen? Deshalb greifen viele User auf das Know-How und den Support eines Webhosters zurück:

Was bedeutet Webhosting?

Ein Webhoster stellt Ihnen auf einem Server Speicherplatz bereit und Sie zahlen dem Betreiber Geld, um von verschiedenen Dienstleistungen – wie zum Beispiel einer Server Monitoring Software oder einer Sicherheitssoftware – zu profitieren. Sie benötigen keine Server Hardware, der Server steht nämlich in einem Rack im Rechenzentrum des Hosts.

Der Grad der Verwaltung variiert, aber die meisten Webhoster stellen ein vorinstalliertes Betriebssystem und die von Ihnen benötigte Software zur Verfügung. Obwohl die Hosts oft ein gewisses Maß an Unterstützung bieten, sind Sie trotzdem weitgehend auf sich allein gestellt. Technisches Fachwissen ist definitiv erforderlich, um die für Ihr System erforderliche Software anzuschließen, zu installieren und zu konfigurieren. Trotzdem bietet Ihnen ein eigener Server ultimative Flexibilität und die Fähigkeiten des Systems sind nur durch das eigene Budget begrenzt.

Achtung: Ihr Server ist nur so zuverlässig wie seine Hardware! Prozessoren, RAM-Festplatten und andere Komponenten können alle ausfallen, aber die meisten Hosts bieten ein gewisses Maß an Überwachung. Der Host wird Sie zwar beraten, aber die Sicherheit der Software liegt trotzdem weitgehend in Ihrer Verantwortung. Sie müssen Firewalls, Virenscanner, SSL-Zertifikate und andere Optionen nach Bedarf installieren und konfigurieren.

Außerdem ist ein eigner Server in der Regel die teuerste Webhosting-Option. Rechnen Sie mit ein paar hundert Euro pro Monat für ein Einstiegssystem mit minimaler Verwaltung. Server-Anwendungen, Hardware-Upgrades, mehr Speicherplatz und Supportdienstleistungen können extra kosten. Deshalb werden eigene Server vor allem von größeren Unternehmen gewählt. Um kosteneffektiv zu sein, muss die Website nämlich ein paar hunderttausend Besuche pro Monat aufweisen. Trotzdem kann es sich in vielen Fällen definitiv lohnen, eignen eigenen Server zu besitzen:

Vorteile eigener Server

  • Wenn Sie einen Server haben, haben Sie einen Rechner, der 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr läuft.
  • Bei Strom- und Internetausfällen können Sie kritische Funktionen über einen Notstromgenerator aufrechterhalten. Wenn etwas schiefgeht, können interne Teams sofort an einer Lösung arbeiten – und Sie müssen nicht auf eine Lösung durch Ihren Service Provider warten.
  • Mit einem eigenen Server haben Sie die volle Kontrolle über alle Daten und damit auch eine bessere Kontrolle über die Sicherheit.
  • Letztendlich sind die größten Vorteile eines Servers Komfort und Zuverlässigkeit. Ein zentraler Speicherort, der die Identität aller Benutzer verwaltet und alle Unternehmensdateien, Anwendungsdaten und andere Ressourcen speichert, stellt sicher, dass jedes Teammitglied jederzeit Zugriff auf die benötigten Daten hat.
  • Außerdem wird ein professionell konfigurierter Server kontinuierlich gesichert und läuft beständig, was bedeutet, dass Ihr Team immer auf Dateien und andere Ressourcen zugreifen kann – selbst wenn eine Festplatte oder der gesamte Server ausfällt.

Wie bereits erwähnt, ist ein eigener Server definitiv mit einigen Nachteilen verbunden. Die größten Nachteile eines Servers haben, wie Sie vielleicht schon ahnen, mit den Kosten und der Wartung zu tun:

Nachteile eigener Server

  • Die Anschaffung der Server-Hardware und -Software sowie der Komponenten, die sie zum Funktionieren bringen, kostet Sie viel Geld.
  • Installation, Einrichtung und Wartung der Rechner (einschließlich Fehlerbehebung, Updates und laufender Überwachung) sind hochtechnische und oft zeitaufwändige Aufgaben, die in der Regel einen laufenden IT-Support erfordern.
  • Die totale Kontrolle ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert. Viele Unternehmen, die Server vor Ort betreiben, haben oft ganze Teams, die sich darum kümmern, dass die Rechenzentren reibungslos laufen – und das aus gutem Grund. Ungeplante Ausfallzeiten können verheerende Folgen haben. Der berüchtigte Ausfall von British Airways, der nur 15 Minuten dauerte, kostete das Unternehmen rund 150 Millionen Pfund.
  • Auch der Energiebedarf ist zu berücksichtigen. Server sind leistungsstarke Maschinen, die rund um die Uhr in Betrieb sind, was eine erhebliche Belastung für Ihre Stromrechnung darstellen kann.
  • Wenn Ihr Unternehmen nicht über ein IT-Team oder ausreichend Platz für einen Server verfügt, ist ein Server – zumindest ein On-Premises-Server – möglicherweise keine realistische Option.

Welche Alternativen gibt es?

Sie können drei verschiedene (eigene) Server-Varianten wählen:

  • Ihnen gehört ein physikalischer (Managed) Server im Rechenzentrum eines Anbieters oder Sie haben in Ihrer Firma Kapazitäten dafür: sehr teuer.
  • Sie verwenden einen virtuellen Server, bei dem mehrere Server auf einem physikalischen Server betrieben werden. Dadurch können Sie auch Server mit weniger Ressourcen buchen: etwas günstiger.
  • Sie nutzen einen Cloud Server: am ökonomischsten.
Server room, cloud storage icon, datacenter and database concept, data exchange process isometric dark vector

Was bedeutet Cloud Hosting?

Cloud Anbieter bieten Hosting in ähnlicher Weise wie Versorgungsunternehmen Strom. Je mehr Ressourcen Sie nutzen, desto mehr zahlen Sie, sodass die Kosten von Monat zu Monat variieren können – “What you see, is what you get”. Cloud-Optionen unterscheiden sich, aber die meisten bieten eine skalierbare virtuelle Maschine. Das Betriebssystem ist effektiv ein Disk-Image (Datei), das überall hin verschoben und repliziert werden kann, ohne an die zugrunde liegende Hardware gebunden zu sein. Dies erhöht die Zuverlässigkeit und Backups werden einfacher.

Der größte Vorteil einer Cloud für Ihre Web-Projekte: Die Kosten. Diese machen für gewöhnlich nur einen Bruchteil der Kosten für einen eigenen oder Managed Server aus.

Weitere Vorteile:

  • Da Ihr Unternehmen keine eigenen Maschinen anschaffen oder in die IT Infrastruktur investieren muss, sinken auch die Wartungs- und Betriebskosten erheblich.
  • Flexible Preisgestaltung und Anpassungsoptionen ermöglichen es Ihrem Unternehmen, die Specs je nach Bedarf relativ schnell nach oben oder unten zu skalieren. Sie entscheiden, welche Funktionen Sie zu den Plänen hinzufügen möchten – z. B. Servermanagement, mehr RAM, Backup-Service, SSDs – was Ihnen eine bessere Kontrolle über serverbezogene Ausgaben gibt.
  • Durch die Verlagerung Ihrer Dateninfrastruktur in die Cloud wird das IT-Personal außerdem von Verwaltungs- und Wartungsaufgaben entlastet.

Nachteile:

  • Netzwerkprobleme können Sie komplett von Ihren Daten trennen!
  • Die Latenz ist eine weitere Herausforderung bei der Nutzung der Cloud: Während die meisten Anbieter die Geschwindigkeit anpreisen, wenn sie mit den Vorteilen der Cloud gegenüber lokalen Servern argumentieren, ist die Realität für einige weit von den Erwartungen entfernt. Oft teilen sich Unternehmen den Serverplatz, was zu einer schlechteren Leistung führen kann, wenn Ihr Nachbar besonders datenintensiv arbeitet.
  • Der wahrscheinlich größte Faktor, der viele Unternehmen davon abhält, in die Cloud zu migrieren, ist das inhärente Sicherheitsrisiko für Ihre geschäftskritischen Daten. Cloud Server sind auch typischerweise ein Ziel für Cyberkriminelle. Unternehmen müssen darauf vertrauen, dass die Anbieter Sicherheitsvorkehrungen gegen Schwachstellen getroffen haben. Im Falle von Datenlecks sind Unternehmen den Providern ausgeliefert. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die meisten zuverlässigen Anbieter unter strengen Sicherheitsvorschriften arbeiten.

Fazit

Wie Sie sehen, gibt es in unserem Vergleich keinen klaren Sieger zwischen On-Premise- oder Cloud-Lösungen. Die beste Wahl hängt weitgehend von den Anforderungen eines Unternehmens ab. Daher besteht die übliche Lösung heutzutage darin, die besten Elemente jeder Option auszuwählen und sie je nach Bedarf einzusetzen. Während eine Organisation des Gesundheitswesens zum Beispiel keine andere Wahl hat, als private Daten vor Ort zu speichern, kann sie nicht-kritische Funktionen in der Public Cloud hosten, wie zum Beispiel ihre Unternehmenswebseiten.

Für Unternehmen mit begrenztem Kapital und geringen Datenanforderungen kann es finanziell sinnvoller sein, den Großteil der Datenverarbeitung in die Cloud zu verlagern. Dennoch sollten Unternehmen abwägen, welche Aufgaben und Daten aus Gründen der Sicherheit und des reibungslosen Betriebs am besten vor Ort bleiben.

FAQ

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

IT Infrastruktur

IT-Infrastruktur einfach erklärt

Der Erfolg der meisten Unternehmen steht und fällt mit der IT-Infrastruktur. Denn sie bildet die Grundlage der Informationsverarbeitung und entscheidet damit über die Zukunftsfähigkeit der

Weiterlesen »
cognitive computing

Was ist Cognitive Computing?

Haben Sie sich auch schon gefragt, was sich hinter dem Begriff „Cognitive Computing“ verbirgt? Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Details über selbstlernende IT-Systeme und erklären,

Weiterlesen »
Visualisierte Datenströme und Zahlen und Verbindungen

IT-Infrastruktur einfach erklärt

Der Erfolg der meisten Unternehmen steht und fällt mit der IT-Infrastruktur. Denn sie bildet die Grundlage der Informationsverarbeitung und entscheidet damit über die Zukunftsfähigkeit der

Weiterlesen »